Die Frage die sich stellt, ist ja wie so oft: Was ist normal?
Im Grunde sieht der Mensch das als Normalität an, was die breite Masse repräsentiert. Dieser Argumentation zur Folge und unter Berücksichtigung des evolutionären Aspekts der Fortpflanzung ist Homosexualität also nichts Normales.

Würden wir hier jedoch schon am Ende unserer Kausalitätskette angelangt sein, wären wir Idioten – und für viele Menschen ist der Umstand, diese Tatsache nicht in einen Zusammenhang zu bekommen schon das Repräsentativ ihres Schicksals.

Normal ist per se, was möglich ist. In der Geschichte des Lebens gab es immer wieder verschiedenste Entwicklungsschritte, die uns vom Einzeller bis zum heutigen Menschen getragen haben. Das erste Lebewesen mit zwei Zellen wäre von den Idioten seiner Zeit sicherlich auch als abnormal abgetan und gemieden worden – wäre Idiotie im einzelligen Bereich überhaupt möglich. Dies wirft allerdings die Frage auf, weshalb es Menschen so schwer fällt, das Anderssein nicht grundsätzlich als abnorm abzutun. Homosexualität ist weder ein Nachteil noch ein Vorteil für die menschliche Spezies im Allgemeinen, da die Anzahl der Homosexuellen im Verhältnis ziemlich gering und damit der Fortbestand des Homo Sapiens nicht in Gefahr ist. Demzufolge schürt auch keine instinktive Angst den Groll gegen Schwule und Lesben. Was also kann dazu führen, dass es beim Menschen im Gegensatz zu den Tieren eine solche Abscheu gegenüber anderen Sexualitäten gibt?

Meiner Meinung nach spielt hier zum größten Teil die Religion eine Rolle. Streng gläubige Menschen aus den verschiedensten Religionen prägten schon seit jeher das Denken der Gesellschaft. Schamanen, Priester und wie sie alle heißen waren schon immer maßgeblich am Verlauf der Menschheitsgeschichte beteiligt und weil man einst begann, Homosexuelle als abnormal oder gar besessen zu sehen – ähnlich wie Frauen mit roten Haaren -, setzte sich dieser Gedanke auch in den Köpfen des gemeinen Volkes fest. Über Generationen hinweg wurde dieses Denken immer weitergegeben und hat dazu geführt, dass wir selbst heute in einer eigentlich aufgeklärten Gesellschaft nach wie vor das Problem haben, dass Menschen, die gewisse religiöse oder konservative Einflüsse in ihrer Erziehung erlebt haben, eine unerklärliche Aversion gegen Schwule und Lesben hegen.

Die „Gleichberechtigung“ der Frau war einst auch ein Problem – und ist es in manchen Köpfen nach wie vor -, doch sind wir hier bereits viel weiter als beim Thema Sexualität. Ich bin mir jedoch sicher, dass in mittelbarer Zukunft auch dieser Thematik zunehmend mehr Normalität zugesprochen werden wird und sich die Menschheit irgendwann durch die Bank weg fragt, wie man das jemals anders sehen konnte.

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