Früher war alles besser! Diesen Satz hört man von älteren Menschen gerne wenn es um Dinge geht, die sich im Laufe ihres Lebens verändert haben und mit deren Veränderung sie nichts anzufangen wissen.

Eigentlich versuche ich, mich dieser Fehleinschätzung so weit es geht zu entziehen und mit neuen Dingen souveräner und interessierter umzugehen. Dennoch ertappe auch ich mich ab und an dabei, Veränderungen zu verteufeln. Eine dafür wunderbar repräsentative Sache ist der Kauf von Unterhaltungsmedien. Egal ob Filme, Musik oder Bücher, man ist dank des Internets heute über alles Neue informiert und weiß schon über alles Bescheid, noch bevor der Artikel überhaupt im Handel ist. Man kauft heutzutage schnell und bequem online ein und hat das begehrte Exemplar am nächsten Tag im Briefkasten. Auch ich nutze diesen Weg der Distribution, weil er es mir ermöglicht, wirklich alles und zu jeder Zeit kaufen zu können, ohne meine gemütliche Behausung verlassen zu müssen.

Doch genau hier liegt auch das Problem. Wenn man doch mal in der Stadt unterwegs sein sollte und sich in einen der unzähligen Media Märkte, Saturns und experts dieser Welt verirrt, steht man vor den Film- und Musik-Regalen und sieht nichts, was man nicht schon vorher gesehen hätte. Geheimtipps gibt es kaum noch und die spannende Frage, ob das Werk, das man sich gerade näher ansieht gut oder schlecht investiertes Geld darstellen würde, entfällt auch fast komplett. Und das ist eine Tragödie!

Ich weiß noch wie ich in meiner Kindheit und Jugend in jeden noch so kleinen Laden gerannt bin und Stunden vor den Regalen verbrachte, immer mit der Hoffnung einen Schatz zu finden. Über Videospiele wusste ich nur was die Bravo Screenfun mir mitteilte und so war jedes Game ein potentielles Lieblingsspiel. Musikalische und filmische Neuerscheinungen waren in erster Linie auch nur über Zeitschriften einzusehen und so bot selbst das CD-Regal immer die Spannung, ein neues Album oder gar eine neue tolle Band zu entdecken. Einkaufen war ein Abenteuer, auf das man sich gerne einließ. Klar gab es auch Enttäuschungen beim Überraschungskauf, doch alles in allem konnte man die neu erworbenen Spiele und Filme ohne vorherige Beeinflussungen genießen und fand nicht nur gute Titel, sondern – wie oben bereits erwähnt – regelrechte Schätze.

Heute ist der Reiz am physisch präsenten Einkaufen fast gänzlich erloschen. Man kennt Spiele, Filme und CDs schon, Überraschungen sind meistens schlecht, weil man in diversen Foren und auf Informationsplattformen im Internet aktiv ist und sich über alles bestens informiert hat, und der Zauber von Neuem, das man nicht kennt, hat sich eher in eine Art skeptische Abneigung verwandelt. Amazon und Co. bieten das größere Angebot und direkt zu allem auch die passenden Kundenrezensionen. Nichts bleibt heute mehr dem Zufall überlassen und eventuell gute Filme werden durch die Rudelbildung bei Meinungsfragen schnell schlecht geredet. Filme schauen, Musik hören oder Videospiele spielen ist nach wie vor ein Genuss. Das Abenteuer des Erwerbs jedoch wurde vom Internet kastriert.

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